brandwacht 6/2011, Seiten 196 ff
„Unglaubliche Hilfsbereitschaft“
Im Dezember vergangenen Jahres brannte das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berneck komplett aus. Es entstand ein Sachschaden von rund 1,5 Millionen Euro. Feuerwehren aus nächster Nähe und aus der weiteren Umgebung halfen mit Fahrzeugen, Gerätschaften, Kleidung und Schutzausrüstung. Eine „Dankeschön-Feier“ für die hilfsbereiten Nachbarn wird organisiert.
Von Christian Riedl.
Die neuen, rot lackierten Tore sind eingebaut, draußen und drinnen die Wände frisch gestrichen, Schulungs- und Aufenthaltsräume im Gerätehaus gerade renoviert. Ein nagelneues Einsatzleitfahrzeug parkt in der Halle, die neuen Chemieschutzanzüge wurden vor wenigen Wochen ausgeliefert und jetzt erwartet Wolfgang Maisel, der Kommandant der FF Bad Berneck im Fichtelgebirge, täglich auf die Mitteilung, dass drei weitere neue Fahrzeuge zur Abholung bereit stehen…
…Rückblende: Seite 28 Jahren ist Wolfgang Maisel Kommandant der FF Bad Berneck im Fichtelgebirge, unzählige Einsätze hat er mitgemacht. Den Abend des 26. Dezember 2010 werden er und seine Kameraden aber ganz sicher nie vergessen. Einen Tag nachdem die Feuerwehr zu einem Wohnhausbrand ausrücken musste, sollte der zweite Weihnachtsfeiertag eigentlich der Familie gehören, man war auf einen ruhigen Abend eingestellt. Gegen 21 Uhr aber plötzlich die Alarmmeldung: „Brand im Feuerwehrhaus Bad Berneck, es ist kein Scherz!“ Sofort eilt Wolfgang Maisel zum Gerätehaus. Dieses Mal sind er und seine Kameraden aber hilflos, müssen beinahe tatenlos zusehen, wie im Feuerwehrhaus ihre Ausrüstung in Flammen steht…
…Möglichst schnell soll die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt sein. Es klappt tatsächlich. Die Versicherungs-kammer Bayern zeigt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten äußerst kulant, „außerdem sind wir von einer Welle der Hilfsbereitschaft erfasst worden“, erzählt Vorstand Joachim Judas. Alle umliegenden Feuerwehren des Landkreises Bayreuth haben zunächst Ausrüstung nach Bad Berneck gebracht: Jacken, Hosen, Stiefel, Handschuhe…Die Feuerwehrschule Würzburg stellt ebenfalls ein Löschfahrzeug zur Verfügung…
brandwacht 6/2011, Seiten 202 ff
Hilfe von Herzen
Von Christine Haberlander
Hans Lauber, ein Bayer mit serbischen Wurzeln, hilft seit Jahren den Feuerwehren aus seiner früheren Heimat. Feuerwehren und Politiker aus dem Chiemgau bringen ausgemusterte Einsatzfahrzeuge ins frühere Jugoslawien. „Das ist dort noch so wie bei uns vor 100 Jahren“.
Er ist stolz wie Oskar: Hans Lauber aus Pertenstein bei Traunreut hält den Schlüssel des über 30 Jahre alten Löschfahrzeugs LF 8 aus Bergen stolz in der Hand, das ihm Bürgermeister Bernd Gietl gerade übergeben hat. In einigen Tagen will der 76-Jährige das Fahrzeug, das in der Chiemgauer Gemeinde ausrangiert worden ist, mit dem befreundeten Kfz-Meister Toni Siglreitmaier nach Kroatien bringen. Im 900 km entfernten Dalj wird der Löschwagen dringend gebraucht. Es ist das fünfte ausgemusterte Feuerwehrfahrzeug aus dem Land-kreis Traunstein, das im ehemaligen Jugoslawien nun gute Dienste tut, aber das erste, das nach Kroatien gefahren wurde…
…Umso willkommener war die unkomplizierte Hilfeleistung der Traunsteiner Feuerwehren und Gemeinden, die nicht lange gezögert, und ihre ehemaligen Fahrzeuge für Serbien zur Verfügung gestellt haben. Kreisbrandrat Hans Gnadl und Hans Lauber fuhren Mitte Juni dieses Jahres mit einer kleinen Feuerwehrabordnung aus dem Chiemgau für ein langes Wochenende nach Odzaci, in dem übrigens auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, geboren wurde. Dieser ließ es sich nicht nehmen, bei der Übergabe von zwei Feuerwehrfahr-zeugen dabei zu sein und sie zu segnen…
„Je mehr Feuerwehren in Bayern von unserer Hilfsaktion erfahren, umso besser, denn die Feuerwehren in ländlichen Gebieten im ehemaligen Jugoslawien sind wirklich arm dran“.
brandwacht 6/2011, Seiten 214/215
Symbol gegen Terror
Eine Feuerwehr-Initiative bringt Stahlträger aus New York nach Oberviechtach. Es ist die einzige deutsche Stadt mit einem Denkmal aus den Trümmern des Worl Trade Centers. Das Relikt vom 11. September 2001 ist 1,80 Meter lang und wiegt 666 Kilogramm.
Der 39-jährige Realschullehrer Martin Zimmermann istein politisch denkender Mann, der sich in der Welt umschaut. Bei seiner Feuerwehr in Oberviechtach in der Oberpfalz (Landkreis Schwandorf) war er deshalb auch so etwas wie ein Auslands-beauftragter. Da berührte ihn das Attentat in New York vom 11. September 2001 in zweifacher Hinsicht: als Mensch ohnedies und zugleich als Feuerwehrmann. Er nahm Anteil am Schicksal seiner Kameraden in der US-Metropole und der trauernden Hinterbliebenen. Wie so viele bayerische Feuerwehren in den vergangenen zehn Jahren (vgl. auch brandwacht 4/2011) hatte auch die Feuerwehr Oberviechtach zwischenmenschliche Kontakte mit den Firefighters. Martin Zimmermann vielleicht auf eine besondere Art, denn ihm und seinen Mitstreitern des neugegründeten Vereins „German American Firefighters and Friends (GAFF)“ gelang es, ein Stück aus den Trümmern des World Trade Centers für seine Heimatstadt zu reservieren. Oberviechtachs Stadtrat nahm die Idee auf uns engagierte sich offiziell für den Transport des Relikts eines Verbrechens, das die ganze Welt erschütterte und auch zum Teil veränderte…
…wurde der Stahlträger aus dem zerstörten World Trade Center am 8. Oktober 2011 als Denkmal in der Oberviecht-acher Allee im Heldenhain aufgestellt. Exakt 5.760 Kilometer vom Ground Zero entfernt. Soldaten des Panzergrenadier-bataillons 122 und des 2. Stryker Kavallerieregiments aus Vilseck standen stramm und einige hundert Bewohner der Stadt zeigten Ergriffenheit…
brandwacht 6/2011, Seiten 216/217
Das Feuerwehr-Dorf
Von Judith Zacher
In Hafenreut im Landkreis Donau-Ries ist die Hälfte der Einwohner bei der Feuerwehr. Besonders die Frauen sich aktiv. Wenig klassische Einsätze aber viel Engagement auf dem Unterhaltungssektor. Im Ort gibt es nur zwei Vereine.
Etwa 230 Einwohner hat Hafenreut, ein Ortsteil des Marktes Kaisheim. 117 davon sind bei der örtlichen Feuerwehr, 46 davon aktiv. „Das ist auch der Grund, warum wir so wenig Einsätze haben: Weil bei uns aus fast jedem Haus einer bei der Feuerwehr ist, passen die Leute sowieso schon gut auf – und wenn doch einmal was passiert, ist sofort jemand an Ort und Stelle, der weiß, was er zu tun hat“, sagt Kommandant Heinz Nagel stolz…
…Mit dabei waren auch einige Frauen, denn da sind die Hafenreuter stark: Gegründet wurde die Damengruppe im Jahr 1992. Zweiter Vorstand Adele Hitzler und Maschinistin Petra Bosch erinnern sich. „Das Problem war schon damals, dass die Männer untertags in der Arbeit waren. Da haben wir uns gedacht, da müssen wir ran“, erinnern sich die beiden – und Vorstandsmitglied Marion Wager fügt hinzu: „Denn wir können genauso hinlangen“…
Für die Zukunft wünscht sich Kommandant Nagel vor allem: „Wenig Einsätze, keine Verletzten – und immer genügend Nachwuchs, so dass es die Feuerwehr Hafenreut noch möglichst lange gibt.“
brandwacht 6/2011, Seiten 222/223
Notlandung zwischen Wohnhäusern
Einsatzbericht von Zugführer Armin Lerch
Kleinflugzeug verfehlte wegen Motorschadens den nahegelegenen Verkehrslandeplatz Großostheim.Wie durch ein Wunde gab es nur zwei Verletzte und geringen Sachschaden. Die Pressearbeit war professionell organisiert.
Mit der Meldung „Kleinflugzeug abgestürzt“ wurde die Freiwillige Feuerwehr Stockstadt am Main, Landkreis Aschaffenburg, am Sonntagmorgen des 28. August 2011 um 10.37 Uhr in die Großostheimer Straße alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der ELW der FF Stockstadt nur wenige Straßen entfernt bei einem anderen Einsatz ohne Dringlichkeit. Sofort wurde dieser Einsatz unterbrochen und der ELW fährt zur Schadensstelle. In zeitlicher Folge melden sich aus der Feuerwache das TLF 16/15, LF 16, RW 1 und GW-N zum Einsatz aus. Später folgen MTW und der GW-Mess mit insgesamt 35 Einsatzkräften…
…Einsatzleiter und stv. Kommandant Frank Bott, welcher mit dem ELW als erster an der Unfallstelle eintrifft, findet mitten auf der Straße ein zweisitziges, auf der Nase stehendes Klein-flugzeug vor. Beide Insassen sind verletzt, können das Flug-zeug aber ohne den Einsatz technischer Mittel verlassen. Sofort leiten die als Einsatzsanitäter ausgebildeten Feuerwehrleute die medizinische Erstversorgung der beiden Verletzten ein…
… Schon nach dem ersten Überblick über die Lage an der Einsatzstelle wird klar, dass mit einem erheblichen Interesse der Öffentlichkeit und Presse zu rechnen ist…In Absprache mit der Einsatzleitung wird der Pressesprecher der Feuerwehr Stockstadt aus der direkten Einsatzabwicklung herausgelöst und mit der Organisation der Pressearbeit beauf-tragt…Durch die frühe Entscheidung zu einer strukturierten Pressearbeit steht bereits nach 60 Minuten ein mit der Polizei abgestimmter Pressebericht der Feuerwehr zur Verfügung. Um 11.55 Uhr erfolgt die Verteilung per E-Mail an den bestehenden Presseverteiler der FF Stockstadt. Papierkopien der Pressemitteilung werden an der Einsatzstelle den anwesenden Pressevertretern ausgehändigt…
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brandwacht 6/2011, Seiten III+IV
Drei Schmetterlinge
Von Henning Pfeifer
Auf einer Straße bei Petershausen in Oberbayern verunglückte eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Der Vater, ein Arzt, kam zufällig vorbei. Eine symbolhafte Gedenkstätte an der Unfallstelle erinnert an den tragischen Unfall. Für die Feuerwehr war es ein Ereignis ohne Vergessen.
Ein Frühlingsmorgen im März bei Petershausen im Landkreis Dachau: Eine Mutter (34) ist mit ihren beiden drei und fünf Jahre alten Kindern im Auto unterwegs. Nur wenige Hundert Meter von ihrem Wohnort entfernt verreißt sie das Steuer, stellt sich quer und wird seitlich von einem entgegen kommenden Lastwagen erfasst. Die Mutter und ihre zwei Kinder sterben. Für die Helfer gibt es nichts zu retten. Die Bilder dieses 10. März 1999 verfolgen sie ein Leben lang, so auch den Kommunikationselektroniker Stefan Schneider, der damals 29 Jahre alt und als Kommandant der FF Petershausen an der Unfallstelle war…
…Alle drei sind auf der Stelle tot gewesen. Drei ausgelöschte junge Leben. Ein Auto hält an. Es ist ein Mann, den wir kennen, und der im benachbarten Kollbach wohnt. Er hat zufällig mitbekommen, dass nur wenige Hundert Meter von seinem Haus entfernt ein schwerer Unfall passiert ist. „Vielleicht kann ich helfen“, hat sich der Mann gedacht, er ist schließlich Arzt und Beruf. Er steigt aus, läuft zu den zwei Unfallautos und bleibt wie erstarrt stehen, schlägt die Hände vors Gesicht und schreit entsetzt auf. Ich werde diese Szene mein Leben lang nicht vergessen. Der Mann steht vor seiner toten Frau, vor seinem toten Sohn und seiner toten Tochter…
brandwacht 6/2011, Seiten VIII-X
Gespenstische Rettung
Von Christine Haberlander
Ein Wohnhaus in Stein an der Traun liegt unter tonnenschwerem Felsen. Vier Menschen werden verschüttet, zwei gerettet. Feuerwehrleute graben zunächst mit Händen und Schaufeln. Norbert Schindler robbt sich unter dem Steinkoloss zur eingeklemmten Mutter: Die Retter fallen sich in die Arme.
Den 25. Januar 2011 wird Norbert Schindler sein ganzes Leben lang nicht vergessen: in Stein an der Traun (Landkreis Traunstein) löst sich aus einer Nagelfluhwand ein tonnen-schwerer Felsbrocken, so groß wie ein Bus und stürzt auf ein Wohnhaus…
…Als ich jedoch in Stein an der Traun angekommen bin, hat es mich fast umgehauen: Das Haus, an dem ich immer wieder vorbei gefahren bin, war komplett weg. Da lag nur noch ein riesiger Steinhaufen.
Schnell ist klar, dass möglicherweise Menschen unter den Trümmern begraben liegen. Ein Polizist hat Stimmen gehört…
…Die rund 20 Feuerwehrmänner, die auf dem Schuttberg stehen, beginnen mit bloßen Händen, mit Schaufeln und Pickeln nach Überlebenden zu graben…
…Immer näher graben sich die Feuerwehrmänner an die Verschütteten heran. Leon wird herausgezogen. Die Retter arbeiten unaufhörlich bei Nieselregen und frostigen Temperaturen. Der Einsatz geht ihnen an die Substanz, physisch und psychisch. Feuerwehrmann Norbert Schindler will jedoch weitermachen. Er kriecht in das rund 60 auf 60 Zentimeter große Loch im Trümmerberg und robbt sich drei Meter weit zu Uschi vor: „Das ist mir alles Mögliche durch den Kopf geschossen, z. B. was wird aus meiner Frau und meiner Tochter, wenn noch etwas vom Hang runterkommt oder das Gestein nachgibt, unter dem ich liege.“…
brandwacht 6/2011, Seiten XI bis XIII
Trauer und Freude
Nacherzählt von Martin Binder
Die Münchner Berufsfeuerwehr rettete einen kleinen Jungen neben seiner toten Mutter aus einem brennenden Unfallfahrzeug.
Dieter Trepesch, 62, Ltd. Branddirektor bei der Berufsfeuerwehr München, war bis zu seiner Pensionierung im September 2009 Leiter der Münchner Feuerwehrschule und stv. Leiter der BF München. Über interessante und bewegende Einsätze hat er genau Buch geführt, alle Unterlagen wie Einsatzberichte, Fotos, Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte gesammelt. Einer dieser bewegenden Einsätze führte ihn am Abend des 25. November 1991 zu einem Verkehrsunfall in die Tegernseer Landstraße / Ecke Sankt-Quirin-Straße im Münchner Stadtteil Giesing…
…Ein dreiachsiger Betonmischer war am Mittleren Ring ins Schleudern geraten und hatte einen geparkten weißen Ford Fiesta gerammt, in den gerade eine Frau und ihr kleiner Sohn eingestiegen waren. Der 20-Tonner schob das Auto auf einen Lichtmast, begrub es unter seiner Vorderachse und walzte es praktisch platt…Nur der Kopf des kleinen Buben war zu sehen – er lebte noch. Mein erster Gedanke, als ich vor den Fahrzeugen stand, war: Oh Gott…!
…Als ich mit meinem Fahrer nach dem Einsatz in die Haupt-feuerwache zurückfuhr, hatte ich gemischte Gefühle. Bei dem Unfall war eine Frau gestorben, wir konnten ihr nicht mehr helfen, das bedrückt einen natürlich. Doch es gab auch ein großes Gefühl der Genugtuung, denn die Rettung des Buben war gelungen, aus einer fast aussichtslosen Lage…
Diese und mehr Eindrücke und Erlebnisse von beteiligten Einsatzkräften der Feuerwehren, mit eindrucksvollen Bildern illustriert, können Sie im Heft 6/2011 der brandwacht nachlesen!
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