brandwacht - Zeitschrift für Brand- und Katastrophenschutz

Leseproben aus der Ausgabe 5/2011



brandwacht 5/2011, Seiten 158 ff
Donnerwetter!

Der abgelaufene Sommer war eine Jahreszeit der Wetterextreme zwischen 10 und 35 Grad Celsius, zwischen Trockenheit und Überschwemmung, zwischen Flaute und Orkan. Hunderte von Feuerwehren in Bayern mussten wegen der Unwetter ausrücken, um noch größere Schäden zu verhindern. Die brandwacht schildert am Beispiel der oberbayerischen Region Rosenheim den „heißen“ Sommer 2011.
Eine Dokumentation von Martin Binder.

Schon das Wetterradar hatte nichts Gutes verheißen. Das, was sich da am Nachmittag des 22. Juni 2011 von Westen her auf die Stadt Rosenheim zu bewegte, wurde auf den Bildschirmen tiefrot bis lila dargestellt. Das bedeutet „Warnung vor extremem Unwetter“ und war angesichts eines heißen Tages mit bis zu 32 Grad zunächst nicht vorstellbar. Was dann aber gegen 15.30 Uhr in nur einer knappen Viertelstunde in Rosenheim und später dann weiter östlich im Landkreis vor allem in Riedering geschah, machte die Warnung verständlich. Die Folgen des Hagelsturms bescherten den Feuerwehren stundenlange intensive Einsätze. Was damals noch niemand wusste: Diese Einsätze sollten nur der Auftakt zu einer Serie von Unwettereinsätzen sein, die viele Feuerwehren in Stadt- und Landkreis in den folgenden knapp drei Wochen meistern mussten…
Alle in dem Bereich eingesetzten Feuerwehren kamen zum Bauhof, holten sich dort ihre nächsten Aufträge ab und erledigten diese. Nach der Rückkehr konnten sich die Mannschaften stärken, ihre Ausrüstung wieder klar machen und dann zum nächsten Einsatz ausrücken. Wir haben dabei ein verblüffend einfaches, aber wirksames Hilfsmittel eingesetzt, um den Überblick über alle anfallenden Einsatzstellen nicht zu verlieren“, erzählt Sebastian Ruhsamer, der Kreisbrandrat von Rosenheim schmunzelnd. „Mit wasserlöslichen Filzstiften haben wir einfach eine provisorische Lagekarte auf die Fliesen der Waschhalle im Bauhof geschrieben, das war für jeden Beteiligten besser zu überblicken als auf einem Rechner. Natürlich wurden alle Einsätze auch elektronisch registriert, aber diese Methode hat uns gut geholfen“…

nach oben

 

brandwacht 5/2011, Seiten 172 ff
30 Einsätze bis August

Portrait der FF Matzing, Landkreis Traunstein
von Christine Haberlander.

Die kleine Feuerwehr Matzing gehört zu den aktivsten im Landkreis Traunstein. Bei der Gründung waren es nur zehn Mann und 60 Meter Schlauch. Feuerwehrgerätehaus in Eigenregie neu gebaut.

Die Freiwillige Feuerwehr Matzing ist nicht nur flächenmäßig mit die kleinste Feuerwehr im oberbayerischen Landkreis Traunstein, sondern neben den FF Traunreut, Traunwalchen, Pierling und Stein an der Traun auch eine von fünf Stadtteil-feuerwehren der Stadt Traunreut. Es gibt 31 aktive Feuerwehrleute (28 Männer und drei Frauen), ein Feuerwehrhaus, das kurioserweise sogar der Feuerwehr gehört, und ein einziges Einsatzfahrzeug, ein LF 10/6.
Sie ist für den Schutz von rund 1 000 Einwohnern verantwortlich. Der letzte Einsatz der Traunreuter Stadtteil-feuerwehr liegt drei Wochen zurück: die FF Matzing wurde zu einem Verkehrsunfall gerufen…
…Bis August 2011 wurde die FF Matzing zu rund 30 Einsätzen gerufen: „Das ist  für unsere Feuerwehr sehr viel“, sagt Feuerwehrkommandant Florian Ettmayr, „normalerweise rücken wir im ganzen Jahr 30 Mal aus.“…
Dabei gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen einer „Außenwehr“ wie in Matzing und einer städtischen Feuerwehr, wie in Traunreut.  Die FF Matzing hat einen intensiveren Kontakt zur Bevölkerung: „Man kennt sich untereinander, man ist im Ort bekannt als Feuerwehrler und genießt das Vertrauen, in der Stadt ins Vieles anonymer“.

nach oben

 

brandwacht 5/2011, Seiten 184 ff
Defensive gegen Offensive
Von Annemarie Ruf

Wie Sicherheitsorgane nach dem Aufstieg des FC Augsburg in die erste Fußballbundesliga agieren wollen. Eine Katastrophenschutz-Übung zum „Aufwärmen“ mit dem Einsatz modernster Technik. Vor Hooligans gibt es wenig Angst.

 Der Jubel in Augsburg war groß, als sich der FCA durch einen 2:1-Sieg über den FSV Frankfurt den Aufstieg in die erste Fußballbundesliga sicherte. Nun müssen sich die Kicker im Kampf um den Klassenerhalt bewähren. Doch die Augsburger Fußballfans sind schon jetzt in Siegeslaune und hoffen auf viele spannende Spiele in der SGL-Arena (vormals impuls arena) mit 30 000 Plätzen. Damit es nicht zu Ausschreitungen und Katastrophen kommt, haben Feuerwehr und Polizei ein Sicherheitskonzept erarbeitet, das sich schon bei der FIFA-Frauenfußball-WM 2011 bewährt hat. In einer Katastrophenschutz-Übung wurde folgendes Szenario auf den Prüfstand gestellt:
Im fast voll besetzten Stadion findet ein Länderspiel statt. Die Stimmung ist aufgeheizt. Kurz vor Ende der 1. Halbzeit werden im Block K Feuerwerkskörper abgebrannt. Der Ordnungsdienst versucht einzuschreiten, kann jedoch nicht zu den Verursachern vordringen. Plötzlich explodieren zahlreiche Knallkörper und Raketen inmitten der Zuschauer. Bei mehreren Personen gerät die Kleidung in Brand und die Menschen dort laufen fluchtartig auseinander. Im Gedränge kommt es zu Panikreaktionen unter den Zuschauern. 100 Zuschauer werden verletzt, 20 kommen ums Leben. Das Spiel wird abgebrochen…
…Ziel und Konsequenzen der Katastrophenschutz-Übung waren die Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten mit der Rettung, Versorgung und Transport in die Krankenhäuser sowie die Betreuung sonstiger Betroffener. Insgesamt waren 900 Rettungskräfte im Einsatz. Die Übung verlief im Großen und Ganzen reibungslos, erklärten Feuerwehr und Polizei abschließend…

nach oben

brandwacht 5/2011, Seiten 186 ff
Auch die Seele wird geheilt
Von Ulrike Nikola

In vielen Krankenhäusern gibt es für Unfall- und Brandopfer neben der medizinischen Versorgung die psychologische Betreuung. Seelsorger der Kirchen sind rund um die Uhr im Einsatz. Gute Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Psychologen.

 Wieder fährt ein Rettungswagen vor der Notaufnahme des Nürnberger Klinikums vor. Ein verunglückter Autofahrer wird eingeliefert. Gleichzeitig kommt eine Familie an, deren Kleinkind vor Bauchschmerzen weint. Im Wartebereich sitzt eine Patientin, die vom Rad gestürzt ist und ein Mann, der unter Schwindelanfällen leidet. Jedes Jahr werden 45 000 Menschen in der Notaufnahme des Nürnberger Südklinikums behandelt, darunter auch viele Schwerverletzte, die von der Feuerwehr aus Autowracks geschnitten, aus brennenden Häusern geholt oder vom brüchigen Eis eines Sees gerettet wurden. Die medizinische Versorgung der Verunglückten steht natürlich an erster Stelle, aber auch  die Seele braucht Hilfe: Acht haupt- und zehn ehrenamtliche Seelsorger stehen den Patienten und ihren Angehörigen in schweren Stunden im Nürnberger Klinikum bei. Eine von ihnen ist Agnes Meier. Die 46-Jährige hat zuerst katholische Theologie studiert und dann zwei Zusatzausbildungen in Klinikseelsorge und Gesprächs-therapie gemacht. Sie geht durch die Notaufnahme und spricht Patienten an, die allein da sind und sich daher vielleicht einsam fühlen. Oft wird sie auch vom Pflegepersonal gerufen, weil Angehörige mehrere Stunden auf ein Untersuchungsergebnis oder das Ende einer schweren Operation warten…
…Warmherzig und offen für jeden – und doch mit professionellem Abstand – das ist eine nicht immer leichte Mischung. Vor allem wenn Kinder von einem schweren Schicksal betroffen sind. Die Religionspädagogin mit Seel-sorge-Ausbildung, Gabriele Nüsslein, arbeitet in der Kinderklinik des Nürnberger Klinikums und steht vor allem den Eltern zur Seite. „Ursprünglich dankt man immer, ich sei für die Kinder zuständig, aber der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Seelsorge mit den Eltern…

nach oben