brandwacht 4/2011, Seiten 120 ff
Cowboys auf der Autobahn
Bei Unfällen mit Tiertransportern sind die Feuerwehren besonders gefordert. Technische Hilfe und „Tierpsychologie“ gehören zu den Aufgaben. Der Transport lebender Tiere ist teurer als der Transport von gefrorenem Fleisch.
Tiertransporte gehören zum Wirtschaftskreislauf in unserem Lande. Rund 188 Millionen Tiere werden alljährlich auf Deutschlands Straßen transportiert. Es gibt Zahlen, dass Jahr für Jahr rund 40 000 Tiere in Unfälle verwickelt sind und 15 Prozent dabei verenden. 188 Millionen Tiere und nur 0,02 Prozent werden von Transportunfällen betroffen, das scheint auf den ersten Blick eine vernachlässigende Größe zu sein. Aber wenn ein Tiertransporter verunglückt, oft auf unseren Autobahnen, dann ist das für die Ersthelfer vor Ort – meist sind das die Feuerwehren – ein stressiger Job.
Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Dr. Marcel Huber, hat eine berufliche Vergangenheit, die ihm zu Experten für dieses Thema macht: Gelernter Veterinär, 38 Jahre bei der Feuerwehr und davon 15 Jahre als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes Ampfing.
Rudolf Erhard, politischer Korrespondent beim BR, hat ihn für die brandwacht befragt.
Rudolf Erhard:
Waren Sie einmal bei so einem Einsatz, als die Feuerwehr zu einem verunglückten Tiertransporter gerufen wurde?
Marcel Huber:
Ja, schon öfters. Meine Feuerwehr Ampfing liegt ja in einer Region , in der es in der Nähe, in Waldkraiburg, auch einen Schlachthof gibt. Da ist auf den von unserer Feuerwehr zu betreuenden Straßen natürlich viel Schlachtvieh unterwegs. Es kommt zwangsläufig auch zu Unfällen. Ich kann mich an einen Unfall vor wenigen Jahren erinnern, bei dem ein Schweinetransporter, der Mastschweine zur Schlachtung bringen sollte, von der Straße abgekommen ist und auf der Seite liegenblieb. Die Tiere waren teilweise eingeklemmt, teilweise waren Türen des Transporters aufgesprungen und die Tiere sind auf der Straße herumgelaufen…
Wie beurteilen Sie denn als Veterinär die Bedingungen für Tiertransporte? Reichen die 2005 von der EU erlassenen verschärften Vorschriften aus und können die kontrolliert werden?
Diese Vorschriften werden sehr strikt kontrolliert. Die Amtstierärzte machen hier eine sehr genaue Arbeit, denn es geht nicht nur um Verkehrssicherheit sondern auch um Tierschutz. Dem Tierschutz wird zurecht sehr viel Bedeutung beigemessen…
brandwacht 4/2011, Seiten 134 ff
Tour der Qualen
Von Ulrike Nikola
Challenge in Roth ist zugleich Weltmeisterschaft der Firefighter. Den Titel holte heuer Michi Hofmann von der BF Nürnberg. Die Idee für den Wettkampf wurde nach dem New Yorker Terroranschlag vom 11. September 2001 geboren.
Freudentränen und Jubel, aber auch Schweiß, Schmerzen und Verzweiflung gehören zum legendären Challenge in Roth. Im Juli 2011 quälten sich wieder über 3 500 Triathleten über die Langdistanz von 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad und 42 km Laufen und brauchten dabei zwei Eigenschaften, die auch einen Feuerwehrmann auszeichnen: Nervenstärke und Muskelkraft: Der 31-jährige Michi Hofmann von der Berufs-feuerwehr Nürnberg hat abermals bewiesen, dass er beides hat. Nach 8 Stunden 38 Minuten und 43 Sekunden überquerte er die Ziellinie als schnellster Feuerwehrmann der Welt. Doch für diesen Weltmeistertitel musste er große Qualen durchstehen und an seine körperlichen Grenzen gehen…
… „Die Stimmung in Roth ist und die jubelnden Zuschauer sind einmalig“, schwärmt der 39-jährige Andreas Mindermann von der Berufsfeuerwehr Frankfurt. Er ist bereits zum zweiten Mal in Roth gestartet und findet, dass „der Triathlon ein guter Ausgleich zum Beruf ist, wo wir manchmal auch schwere Situationen erleben. Beim Rad fahren und Laufen bekommt man den Kopf wieder frei und wird die schlimmen Bilder los“.
brandwacht 4/2011, Seiten 140/141
Zwischen Pipeline und Rennstrecke
Von Roland Krüppel
Portrait der Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen im Landkreis Augsburg. Die 51 Aktiven der FF rücken jährlich zu rund 60 Einsätzen aus. Immer häufiger sind sie „Mädchen für alles“.
Wer auf der Bundesstraße 17, die zwischen Landsberg am Lech und Augsburg wie eine Autobahn ausgebaut ist, mit Höchstgeschwindigkeit dahinbraust, hat keinen Sinn dafür, dass er sich auf historisch bedeutendem Areal bewegt. Der Sinn steht den täglich 25 000 Reisenden eher nach Zeitersparnis, was sich als negative Auswirkung in den Bilanzen von Polizei und Feuerwehrniederschlägt. Dabei wäre ein gedanklicher Kurz-Ausflug in die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch erholsam, was wiederum in den Unfallbilanzen positiv zur Geltung käme. „Wir würden uns freuen, wenn wir nicht so oft zu Unfällen auf dieser Schnellstraße fahren müssten“, kommentiert denn auch Lorenz Schmid, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen…
…In Untermeitingen hat die Feuerwehr eine geordnete Struktur. Sie ist zuständig für die Gemeinde mit rund 6 500 Einwohnern und den Ortsteilen Lagerlechfeld und Kinosiedlung. Und wenn in der Nachbarschaft Hilfe vonnöten ist, dann rücken die 51 Aktiven selbstverständlich aus…
…In der ländlich strukturierten Umgebung sind Quantität und Qualität der Einsätze im eher unteren Bereich angesiedelt. Hier gibt es keine überregionalen und stark frequentierten Verkehrswege. Hier gibt es keine Großgebäude, die bei einem Brand zu spektakulären Einsätzen zwingen würden; nichts, das größeres Interesse der Medien wecken könnte…
brandwacht 4/2011, Seiten 144/145
Takt und Taktik
Von Marianne Bitsch
Die Allgäuer Jugendfeuerwehr Sulzberg übt am Schlauch und an der Klarinette. Unter den 32 Jugendlichen sind 13 Musikanten. Die schwäbische Band wird bayernweit gehört. Der Kommandant ist stolz auf sie.
Die Freude ist groß, als die Jugendfeuerwehr Sulzberg beim Leistungswettbewerb 2010 im Landkreis Oberallgäu Sieger wird. Das muss gefeiert werden, meinen die Jugendlichen, packen ihre Instrumente aus und spielen zur Siegerfete auf. Trompete und Klarinette sind zufällig dabei, weil nach dem Wettbewerb noch eine Musikprobe mit der Jugendkapelle Rattachsee ansteht. Dem spontanen und improvisierten ersten Auftritt folgt schon ein paar Tage später der nächste: der Sulzberger Feuerwehrkommandant Edmund Sontheim ist „total überrascht“, als der Feuerwehrnachwuchs ihm zu seinem 50. Geburtstag ein Ständchen bringt: „Des war schee!“ Das ist die Geburtsstunde der Jugendfeuerwehrkapelle Sulzberg. Denn Kreisjugendwart Hubert Speiser hat das „Ständle“ mitbekommen und die jungen Musikantinnen und Musikanten in Feuerwehrkleidung gleich zur Jahreshauptversammlung eingeladen. Inzwischen ist die musizierende Feuerwehrjugend aus Sulzberg auch bayernweit bekannt: beim Landes-Jugendfeuerwehrtag in Scheinfeld im Juni 2011 sind Laura, Lucas, Marvin, Maxi, Peter und die anderen auch mit ihren Instrumenten dabei. Scheinfeld war „ganz cool“, meint die 15-jährige Bianca mit ihrer Trompete. Seither wissen die Sulzberger auch, dass ihre Kapelle in Bayern einmalig ist: eine Musikgruppe, in der nur aktive Jugendfeuerwehrler spielen, gibt es weit und breit nicht. Dabei können die Jugendlichen schwer sagen, was mehr Spaß macht: die Musik oder die Feuerwehr. Sie wollen beides: Brände löschen und ihren Kameraden – zumindest musikalisch – kräftig einheizen. Jeden Donnerstag treffen sich die 13- bis 18-Jährigen zur Feuerwehrübung im neuen Feuerwehrhaus am Ortseingang von Sulzberg…

