brandwacht 2/2011, Seiten 54 ff
Explosion im Wohngebiet
Einsatzbericht von Florian Ramsl
In Germering bei München detonierte mitten in der Nach ein Wohngebäude. Ein altes Ehepaar verursachte den Brand und starb in den Trümmern. 60 Anwohner mussten evakuiert werden. 400 Einsatzkräfte waren vor Ort. Die S-Bahnstrecke musste gesperrt werden.
Die große Kreisstadt Germering mit ihren 38.000 Einwohnern liegt westlich von München im Landkreis Fürstenfeldbruck. Sie entstand aus den eigenständigen Gemeinden Germering und Unterpfaffenhofen; in beiden Ortsteilen existieren eigenständige Freiwillige Feuerwehren.
Die Frühlingsstraße im Stadtteil Unterpfaffenhofen verläuft parallel zur Bahnlinie der S 8 München-Herrsching. In der Gegend ist überwiegend Wohnbebauung zu finden. Das betroffene Haus entstand in den 50er Jahren als „Siedlerhaus“. Auf einer Grundfläche von acht x sechs Metern wurden Keller-, Erd- und ausgebautes Dachgeschoss errichtet. Die Wände bestanden aus Betonhohlblocksteinen….
Am 20. Januar 2011 gegen 0.30 Uhr erschütterte ein lauter Knall die Frühlingsstraße. Noch in mehr als einem halben Kilometer Entfernung vibrierten Fensterscheiben. Nach der ersten Mitteilung löste die Integrierte Leitstelle Fürstenfeld-bruck die Alarmstufe B3 – Wohnungsbrand aus. Aufgrund der zahlreichen Notrufe zeichnete sich ab, dass es sich um die Explosion eines Hauses handelte und die Alarmstufe wurde entsprechend erhöht. Ab 0.36 wurden die Feuerwehren Germering, Unterpfaffenhofen, Geisenbrunn, Alling, Eichenau sowie die Kreisbrandinspektion, die UG-ÖEL (Feuerwehren Puchheim-Ort und Gernlinden) und der Gerätewagen Atem-schutz des Landkreises Fürstenfeldbruck alarmiert…
Die Löschfahrzeuge der FF Germering und Unterpfaffenhofen leiteten unverzüglich einen Löschangriff von der Frühlings-straße her ein. Eine Riegelstellung schirmte den 10 m entfernten Wohnblock ab. Über ein Nachbargrundstück wurde – unterstützt von der FF Alling – der Brand von der Bahnseite aus bekämpft. Einige Trupps suchten das benachbarte Mehr-familienhaus nach Personen ab. Alle Bewohner konnten jedoch selbstständig und unverletzt das Haus verlassen…
Die Trümmer wurden in Handarbeit mit Menschenketten auf die Lkws verladen. Hilfreich waren hierbei die für Lkw-Unfälle beschafften Rettungsplattformen, um den Höhenunterschied zu den Ladeflächen zu überwinden…
Als die Helfer sich in den vorderen Kellerräumen fast bis zum Kellerboden vorgearbeitet hatten, fanden sie gegen 10 Uhr den Leichnam des 88-jährigen Ehemanns…
Große Erleichterung herrscht bei allen Beteiligten darüber, dass es trotz der großen Zahl von eingesetzten Helfern und der schwierigen Einsatzbedingungen zu keinerlei Verletzungen bei den Hilfskräften gekommen ist.
brandwacht 2/2011, Seiten 58+59
Glocken und Sirenen
Portrait der FF Erling-Andechs von Roland Krüppel
Die Feuerwehr von Erling hat auf dem „Heiligen Berg“ Andechs vielschichtige Aufgaben: Hochwasser auf über 700 Höhenmetern, Alarmbereitschaft für die“Wies’n“, Sonderausrüstung Strahlenschutz für das Max-Planck-Institut, vier CSA-Vollschutzanzüge.
Erling, das Dorf auf einem Moränenhügel am Ostufer des Ammersees gelegen, wäre, obschon im 6. Jahrhundert erste Ansiedelungen bekannt sind, ein weithin unbekanntes Dörfchen. Doch da gab es einst die Grafen von Andechs und später die frommen Brüder des Heiligen Benedikt, denen Herzog Albrecht III. von Bayern, ein Wittelsbacher, auf dem 711 Meter hohen Berg eine Bleibe schuf. Die Edelleute und die Mönche haben im Lauf der Jahrhunderte profitablen Einfluss auf die Bauern und die Handwerker ausgeübt. Andechs wurde Wallfahrtsort, weil die Grafen Reliquien aus dem Heiligen Land (das gar nicht mehr so heilig ist) an den Ammersee geholt hatten und Andechs wurde Ort des Genießens, weil die Mönche getreu ihrem Leitspruch „ora et labora“ auch vorzügliches Bier brauten und für selbsterzeugte Brotzeit sorgten – und das noch immer tun. Der Ort Erling und sein Kloster Andechs (Landkreis Starnberg) sind somit eine Art Zentrum im Freizeitland südwestlich Münchens geworden.
Das wirkt sich auch auf die Feuerwehr aus. Denn immer mehr Menschen fahren zum Kloster, wo die bayerische Symbiose „Kirche und Krug“ in realita umgesetzt wird. Und: wegen der attraktiven Lage ziehen immer mehr Menschen nach Erling, was eine Zunahme des innerörtlichen Straßenverkehrs zur Folge hat. In der Jahreshauptversammlung der FF Erling-Andechs am 5. Januar 2011 zählte denn auch Kommandant Gregor Mauerer (40) acht Verkehrsunfälle und zehn sonstige Verkehrsdelikte auf, mit denen sich die Feuerwehrleute im Jahr 2010 zu beschäftigen hatten. Im Vorjahr waren’s vier…
Manche Einsätze hoch über dem Ammersee können in der Rubrik „Besonderheit“ abgelegt werden. Das sind die Hoch-wassereinsätze in Erling. Natürlich helfen die Erlinger, wenn der See über die Ufer tritt, den Kurpark und Deutschlands längste Seepromenade überflutet, doch eigentlich haben sie bei anhaltendem Regenwetter vor der eigenen Haustüre genug zu tun. Weil der Erlinger Boden aufgrund einer besonderen Zusammensetzung stellenweise wasserundurchlässig ist, fließt das Regenwasser direkt in die Keller oder verursacht im zweit-größten Gewerbeunternehmen, einer überörtlich bekannten Molkerei, eine Überflutung…
brandwacht 2/2011, Seiten 67+68
Löschfahrzeug statt Panzer
Von Martin Binder
Bei den bayerischen Feuerwehren werden 3020 „Freigestellte“ alternativ zum Wehrdienst vorwiegend im ABC-Schutz eingesetzt. Die Bundeswehrreform mustert die zivilen Helfer voraussichtlich im Sommer aus. Der Abzug macht dennoch wenig Personalsorgen, und viele bleiben bei den Feuerwehren.
Es gibt verschiedene Wege, um zur Feuerwehr zu kommen. Der von Wolfgang Kaupp, 53, verlief nach dem Motto „Feuerwehr statt Bundeswehr“. Mit 19 Jahren ging der Schüler zur Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim, verpflichtete sich zehn Jahre für den Katastrophenschutz. Dafür musste er nicht zur Bundeswehr. Kaupp ging regelmäßig zu den Übungsabenden, absolvierte die internen Lehrgänge bei der Feuerwehr und wuchs zum aktiven Feuerwehrmann heran. Und dann war es auch keine Frage, nach den zehn Jahren „Pflichtdienst“ bei der Rosenheimer Feuerwehr als Freiwilliger weiterzumachen...
Die Wehrpflicht wurde in Deutschland am 21. Juli 1956 eingeführt. Am 15. Dezember 2010 beschloss die Bundesregierung im Rahmen der Bundeswehrreform, die Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 auszusetzen. Das heißt, dass Wehrpflichtige nicht mehr gegen ihren Willen zum Dienst verpflichtet werden können. Am 1. Januar 2011 wurden zum letzten Mal Wehrpflichtige zwangsweise einberufen, seitdem ist mit der Wehrpflicht Schluss. Das Wehrrechtsänderungs-gesetz befindet sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren. Das heißt, dass auch junge Männer nicht mehr Zivildienst leisten müssen und auch die Möglichkeit wegfällt, sich für vier Jahre zum Dienst im Zivil- und Katastrophenschutz zu verpflichten…
brandwacht 2/2011, Seiten 72+73
„Hier war das Wohnzimmer“
Von Ulrike Nikola
Die Belastungen einer Familie nach einem Brand ihres Hauses sind hoch. Schlafstörungen der Kinder und überall Geruch nach Ruß und Asche. Liebgewordene und unersetzbare Gegenstände sind vernichtet. Hilfe kam von Freunden und Nachbarn.
Wenn es brennt, kommt die Feuerwehr – und wenn es nicht mehr brennt, rückt sie ab. So weit ein alltäglicher Vorgang auf einen kurzen Nenner gebracht. Hinter Schutt und Asche verbergen sich Schicksale, die den meisten Feuerwehrleuten unbekannt bleiben. Vor allem in größeren Städten mit ihrer Anonymität erfahren sie kaum, mit welchen Problemen die Betroffenen zu kämpfen haben: Versicherungsfragen, Schadensregulierung, medizinische Behandlung, psychische Folgeschäden, Verdienstausfall, schulischer Leistungsabfall der Kinder usw…
Jeden Tag brennt irgendwo ein Haus ab. Und jeder denkt: So etwas wird mich schon nicht treffen. Doch der Familie Peine aus dem mittelfränkischen Schwabach ist genau das passiert. Am 3. Dezember ist ihr Haus ausgebrannt, übrig geblieben sind nur noch ein paar Habseligkeiten. Glück im Unglück ist, dass weder die Eltern noch die beiden Kinder daheim waren, als das Feuer ausbrach. Eine Geschichte, die jedem passieren kann…
Ein paar Jeans und Pullover haben den Brand überstanden, doch so oft die sparsame Mutter sie auch gewaschen hat, „der Brandgeruch geht einfach nicht raus“. Familienvater Robert Peine fragt sich immer wieder, wie es so weit kommen konnte. Ob der Brand zu verhindern gewesen wäre?

