brandwacht 1/2011, Seite 6 ff.
Brandschutz im Augsburger Zoo
Von Waltraud Schmidt
Die 54 Bediensteten des Augsburger Zoos sind ständig auf der Hut. Jede Nacht patroullieren Werkschutzleute zwischen Tigern und Schlangen. Technische Brandschutzeinrichtungen sind auf dem ganzen Gelände verteilt. Heu für die Tiere muss trocken und acht Wochen gelagert sein. Die Feuerwache ist in unmittelbarer Nachbarschaft.
Im November vergangenen Jahres kam es im Karlsruher Zoo zu einem Drama: Bei einem Brand im Streichelgehege kamen 26 Tiere ums Leben. Ponys, Alpakas und Zwergesel verbrannten, Elefanten konnten gerade noch gerettet werden. Ein Katastrophe, die Tierfreunde in ganz Deutschland zu Tränen rührte, und auch Zoochefs nicht kalt ließ. Denn auch anderswo kann ein Feuer in einem Tierpark ausbrechen. Zum Beispiel im Zoo in Augsburg…
…Als die promovierte Biologin und Chefin des Augsburger Zoos, Dr. Barbara Jantschke, vom Brand im Karlsruher Zoo erfuhr, gehörte ihr Mitgefühl natürlich den Kollegen in Baden-Württemberg. Gleichzeitig schoss ihr der Gedanke durch den Kopf: "Hoffentlich passiert das bei uns nicht!" Schließlich sind ihr die Tiere ans Herz gewachsen und sie sind natürlich das Kapital des Zoos, der im kommenden Jahr seinen 75. Geburtstag feiern kann…
…Diese für die Attraktivität der Fuggerstadt so wichtige Einrichtung wappnet sich so gut wie möglich gegen Brände. Die 54 Beschäftigten sind angehalten, auf defekte oder alters-schwache Kabel zu achten, die verheerende Brände verursachen können. Brandheiß kann auch das Heu werden, das in einer Scheune mitten im Zoogelände gelagert wird. Deshalb wird darauf geachtet, dass die Bauern das frische Heu erst einmal acht Wochen lang ablagern, bevor es geliefert wird. Auch in der Nacht steht der Augsburger Zoo unter Beobachtung; ein eigens engagierter Werkschutz dreht zu nächtlicher Stunde zweimal seine Runden und kann gegebenenfalls sofort die Feuerwehr rufen.
brandwacht 1/2011, Seiten 14 ff.
Stolz auf die Jugend
Von Farsin Behnam
Portrait der FF Rechtenbach, Landkreis Main-Spessart. Die Feuerwehr Rechtenbach "kontrolliert" den Spessart. Professionelle Zusammenarbeit gibt es mit den Nachbarfeuerwehren. 50 Kilo Zwiebeln für ein Dorffest vorbereitet. Seit 40 Jahren wird aktive Jugendarbeit geleistet. Die Feuerwehr ist eine Kaderschmiede für Nachwuchskräfte.
…Sobald es draußen kalt wird, vor allem im Dezember und Januar, brennen in der ganzen Region die Lakefleisch-Feuer. Dabei geht es gar nicht um die Feuer, sondern um die Glut und die hohe Hitze, die durch das Niederbrennen des Buchenholzes entsteht. In diese Glut werden nämlich mit Zwiebeln gefüllte Fleischpakete, eingewickelt in Alufolie, eingelegt und wieder mit Asche bedeckt…
…Rechtenbach ist mit 322 Jahren eines der jüngsten Dörfer im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und liegt zwischen Würzburg und Aschaffenburg, wenige Kilometer entfernt von Lohr am Main. Aus einer Glashüttensiedlung entstanden, ist die Gemeinde eingebettet in das Rechtenbachtal und umringt von Wald, mitten im Spessart. 1878 wurde hier der Entschluss gefasst, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, um das Hab und Gut zu schützen…
…Die FF Rechtenbach ist stolz auf ihre aktive Jugendgruppe, die als erste Jugendgruppe im Jahre 1971 im damaligen Altlandkreis Lohr gegründet wurde und diese Jahr auf 40 Jahre aktive Jugendarbeit zurückblicken kann. Der Großteil der heutigen aktiven Mannschaft wurde auch tatsächlich in der eigenen Jugendgruppe ausgebildet.
brandwacht 1/2011, Seite 22 ff.
Berufsbild: Berufsfeuerwehrmann
Von Ulrike Nikola
Auf der Berufsbildungsmesse in Nürnberg war das Interesse an der Berufsfeuerwehr besonders groß. Eine abgeschlossene Berufsausbildung als Handwerker und körperliche Fitness sind die Voraussetzungen für den Berufsfeuerwehrmann. 500 Bewerbungen jährlich allein in Nürnberg gibt es.
"Ich engagiere mich schon seit ein paar Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und würde diese Arbeit gerne auch hauptberuflich machen", sagt der 15-jährige Fabian und ist dann etwas enttäuscht, als er hört, dass er zuerst eine hand-werkliche Ausbildung absolvieren muss. "Wir verlangen eine abgeschlossene Berufsausbildung beispielsweise als Schlosser, Schreiner, Megatroniker, Elektroniker oder Rettungsassistent. Denn die Anwärter müssen handwerklich begabt sein und dürfen keine zwei linken Hände haben", erklärt Horst Gillmeier, zuständig für die Aus- und Fortbildung bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg. Der 600 qm große Messestand mit mehreren Einsatzfahrzeugen ist für die Schüler beeindruckend, ebenso die Hürden beim Einstellungstest: "Einen 1000-m-Lauf muss ich unter 4 Minuten zurücklegen, um überhaupt ein "befriedigend" zu bekommen", seufzt eine Schülerin, denn beim sportlichen Eignungstest gelten für Frauen und Männer die gleichen Bedingungen, anders als beispielsweise bei der Polizei…
…Warum präsentieren sich die bayerischen Berufsfeuerwehren eigentlich auf dieser Berufsbildungsmesse? "Weil in den nächsten Jahren ein Fachkräftemangel auf viele Branchen zukommt und die Konjunktur anzieht. Dann werden Industrie- und Handwerksbetriebe ihre guten Leute mit guter Bezahlung an sich binden. Und wird brauchen auch gute Leute bei den Berufsfeuerwehren," erklärt Gillmeier.
brandwacht 1/2011, Seiten 28 ff.
Nachts im Baumarkt
Von Kdt. Georg Schlechte und Fotograf Thomas Gaulke
Einsatzbericht über einen nächtlichen Großbrand in einem Baumarkt in Grafing, der von den Feuerwehren diffiziles Vorgehen verlangte. "Anspruchsvolles Einsatzgeschehen" wegen Explosions- und Einsturzgefahren. Stichflammen waren bis zu zehn Meter hoch. Kindergarten in der Nachbarschaft musste geschlossen werden.
…Das Brandobjekt besteht aus dem Hauptgebäude des Baumarktes (ca. 50 x 50 m) sowie dem mit einem Laubengang verbundenen Gartencenter (45 x 12 m). Das Gartencenter, ein ehem. Betonfertigteilwerk, ist gemauert; das Dach besteht aus einer Nagelbinderkonstruktion. Da das Gelände nach Osten abfällt, ist das Gartencenter faktisch zweigeschossig. Im Keller sind nach Süden und Osten Lagerräume zugänglich während den Abschluss nach Norden eine drei Meter hohe Betonmauer bildet. Das umfangreiche Freilager war zum Großteil mit überdachten Regalen belegt, die klassische Baumaterialien enthielten. Es existiert nur eine Zufahrt von der westlich gelegenen Aiblinger Straße (St. 2089)…
…Unter Kommandant Georg Schlechte wurden vier Einsatzabschnitte gebildet: EA 1 – Gartencenter Außenbereich (FF Ebersberg); EA 2 – Abschirmung des eigentlichen Baumarkts sowie der n/w angrenzenden Pharmafirma Merck (FF Straußdorf, Kirchseeon, Aßling, Eglharting); EA 3 – Innenangriff (FF Grafing) und EA 4 – Wasserversorgung (FF Alxing, Zorneding, Moosach)…
…Die Bewegungsfläche für den Außenangriff war äußerst beschränkt. Während im Süden die großen Lagerregale sowie die drohende Einsturzgefahr den Aktionsradius einschränkten, musste im Norden die meterhohe Betonwand mittels Steckleitergängen überwunden werden. Am östlichen Giebel waren große Mengen Isolierblöcke gelagert.
Was zu erwarten war, trat schließlich ein: das komplette Dach des 45 Meter langen Gartencenters stürzte innerhalb der ersten Stunde nach Alarmierung in das Gebäude. Obwohl damit die Intensität des Feuers deutlich nachließ, lagen jetzt die brennenden Trümmer im Bereich der Gaskartuschen. Innerhalb weniger Minuten bliesen mehrere Behälter unter extremem Zischen und mit fünf bis zehn Meter hohen Stichflammen ab, die die Szenerie kurzfristig taghell erleuchteten.
brandwacht 1/2011, Seiten 34 ff.
Ein sinnvolles Geschenk
Von Kathrin Hasselbeck
Bei der Augsburger Berufsfeuerwehr können "Geburtstags-kinder" mit ihren Freunden Feste feiern. Zwischen Drehleiter und Rettungsschere gibt es jede Menge Spiel und Spaß. Rund 500 Anfragen jährlich gibt es, doch können nur maximal 50 Zusagen gegeben werden. Ein Angebot, zur Nachahmung empfohlen.
…So zum Beispiel am 18. November 2010. Vor dem Gebäude der Berufsfeuerwehr Augsburg tobt eine Horde Erstklässler herum. Die Kinder können es kaum erwarten, dass es endlich los geht. Vor allem Maximilian, denn der feiert seinen siebten Geburtstag – in einer echten Feuerwehrwache! Und natürlich zusammen mit einem echten Feuerwehrmann: Herbert Schäffler. In seiner dunkelblauen Uniform versammelt Schäffler die Kinder in der Eingangshalle der Hauptfeuerwache um sich. Zunächst sind sie noch unruhig, aber dem Haupt-brandmeister gelingt es schnell, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen…
…In der Halle mit dem Löschfahrzeug dürfen sie hinter das Steuer eines Einsatzfahrzeugs klettern. Dann zeigt Herbert Schäffler den Kindern, welche Werkzeuge sich im Gerätewagen verbergen. Das gibt es z. B. eine Spreizer und eine Rettungsschere. Und jeder darf das schwere Gerät einmal anfassen. Auch eine Wärmebildkamera ist immer dabei. "Was kann man damit sehen?" "Deine kalte Nasenspitze", neckt der Feuerwehrmann…
…Ein Geburtstag bei der Feuerwehr kostet 70 Euro, davon bekommt der betreuende Feuerwehrmann zwanzig Euro. Ein weiterer Teil wird als Spende an den Verein "Paulinchen" abgeführt, eine Elterninitiative brandverletzter Kinder. Der Rest ist eine Aufwandsentschädigung für die Feuerwehr…
brandwacht 6/2010, Seiten XI bis XIII
Brandschutz rund um die Uhr
Von Martin Binder
Im Kernkraftwerk Isar muss die Feuerwehr 177 wiederkehrende Prüfungen verwalten und durchführen. 3000 Feuerlöscher gibt es in der Anlage. Bisher gab es keinen nennenswerten Brand. Im strahlenrelevanten Bereich sind eigene Spezialisten eingesetzt.
„Unsere Hauptaufgabe ist das Verhindern von Bränden – vorbeugen ist besser als löschen“. Klaus Wünsch sagt diesen Satz, den jeder Feuerwehrmann sagen könnte. Doch bei Klaus Wünsch hat er eine besondere Bedeutung: Er ist der Chef der Werkfeuerwehr im Kernkraftwerk Isar (KKI) in Essenbach bei Landshut. Ein Brand in einem Kernkraftwerk – das mag sich niemand vorstellen. Und so arbeiten Wünsch und seine Leute rund um die Uhr daran, Brände zu verhindern.
Das Kernkraftwerk Isar, 14 Kilometer flussabwärts von Landshut am linken Isarufer gelegen, hat zwei Reaktorblöcke. Isar 1 ging 1977 in Betrieb, dieser Reaktor ist ein Siedewasser-reaktor. Das heißt, mit Hilfe der bei der Kernspaltung frei werdenden Wärme wird Wasser auf Siedetemperatur erhitzt. Der entstandene Dampf wird in eine Turbine geleitet, die mit einem Generator zur Stromerzeugung verbunden ist. 1988 kam Isar 2 dazu, ein Druckwasserreaktor. Das Prinzip dieser Anlage: Durch die Wärme der Kernspaltung wird Wasser erhitzt, das unter hohem Druck steht, dabei aber nicht verdampft. Dieses Druckwasser gibt in vier Dampferzeugern Wärme an einen anderen, getrennten Wasserkreislauf ab. Dessen Wasser verdampft und dieser Dampf treibt wieder Turbine und Generator an. Gekühlt wird das Wasser für Isar 2 im 165 Meter hohen Kühlturm, der zum Wahrzeichen für den gesamten Standort wurde.
Bis zum Jahr 2000 wurde jeder der beiden Reaktoren von unterschiedlichen Firmen betrieben. Das hatte auch zur Folge, dass es zwei eigenständige, unabhängige Werkfeuerwehren gab, die WF KKI 1 und die WF KKI 2. Seit 2000 werden beide Kraftwerke gemeinsam von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben. Auch die beiden Feuerwehren wurden 2000 zunächst örtlich, dann organisatorisch zusammengeführt. Heute dient die ehemalige Wache der WF KKI 2 als Lagerraum. Außerdem sind dort noch die Atemschutz-, Feuerlöscher- und die Schlauchwerkstatt untergebracht. Geleitet wird die gesamte Werkfeuerwehr von Brandinspektor Klaus Wünsch, dennoch ist auch heute noch eine organisatorische Trennung zwischen Block 1 und Block 2 zu erkennen. Denn beide Reaktoren haben eine unterschiedliche Technik, auch die Anlagen sind verschieden.

